Break-Even-Point berechnen – Formel, Beispiele & Anwendung

Das Wichtigste in Kürze
- Break-Even-Point: Der Punkt, an dem Erlöse und Kosten gleich hoch sind und ein Unternehmen weder Gewinn noch Verlust macht
- Formel: Break-Even-Menge = Fixkosten ÷ (Preis pro Stück – variable Kosten pro Stück), wobei der Nenner den Deckungsbeitrag pro Stück darstellt
- Grenzen: Die Methode gilt nur für lineare Kosten und ein einzelnes Produkt und berücksichtigt keine saisonalen Schwankungen oder Liquidität
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Den Break-Even-Point berechnen zu können ist eine der wichtigsten Fähigkeiten in BWL und Rechnungswesen. Er zeigt, ab welcher Menge ein Unternehmen weder Gewinn noch Verlust macht. In diesem Artikel lernst du die Formel, ein vollständiges Rechenbeispiel und typische Prüfungsaufgaben – klar und verständlich erklärt.
Break-Even-Point einfach erklärt
Der Break-Even-Point (auch Gewinnschwelle oder Kostendeckungspunkt genannt) ist der Punkt, an dem die Erlöse eines Unternehmens genau die Kosten decken. Weder Gewinn noch Verlust entsteht. Oberhalb dieses Punktes erzielt das Unternehmen Gewinn, unterhalb macht es Verlust.
Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet sinngemäß „den Punkt erreichen, an dem man kostendeckend arbeitet". In der Betriebswirtschaftslehre ist die Break-Even-Analyse ein zentrales Werkzeug der Kostenrechnung.
Break-Even-Point berechnen – Die Formel
Um den Break-Even-Point zu berechnen, benötigst du drei Grundgrößen: Fixkosten, variable Kosten pro Stück und den Verkaufspreis pro Stück. Aus diesen ergibt sich der Deckungsbeitrag pro Stück, der die Basis der Berechnung bildet.
Break-Even-Menge berechnen
Die Break-Even-Menge gibt an, wie viele Einheiten ein Unternehmen verkaufen muss, um alle Kosten zu decken.
Formel für die Break-Even-Menge:
Break-Even-Menge = Fixkosten / (Preis pro Stück – variable Kosten pro Stück)
Der Ausdruck in der Klammer – also Preis minus variable Kosten pro Stück – ist der Deckungsbeitrag pro Stück. Er zeigt, wie viel jede verkaufte Einheit zur Deckung der Fixkosten beiträgt.
Break-Even-Umsatz berechnen
Der Break-Even-Umsatz gibt an, welchen Gesamtumsatz ein Unternehmen erzielen muss, um die Gewinnschwelle zu erreichen.
Formel für den Break-Even-Umsatz:
Break-Even-Umsatz = Break-Even-Menge × Preis pro Stück
Alternativ lässt sich der Break-Even-Umsatz direkt berechnen, wenn die Deckungsbeitragsquote bekannt ist:
Break-Even-Umsatz = Fixkosten / Deckungsbeitragsquote
Die Deckungsbeitragsquote ergibt sich aus:
Deckungsbeitragsquote = Deckungsbeitrag pro Stück / Preis pro Stück
Erklärung der Formelbestandteile
Damit du die Formel sicher anwenden kannst, hier eine kurze Erklärung der einzelnen Bestandteile:
- Fixkosten: Kosten, die unabhängig von der produzierten Menge entstehen. Beispiele: Miete, Gehälter, Versicherungen.
- Variable Kosten pro Stück: Kosten, die mit jeder produzierten Einheit ansteigen. Beispiele: Materialkosten, Verpackung.
- Preis pro Stück: Der Verkaufspreis einer Einheit.
- Deckungsbeitrag pro Stück: Der Betrag, der nach Abzug der variablen Kosten vom Preis übrig bleibt und zur Deckung der Fixkosten dient.
Break-Even-Point berechnen – Schritt-für-Schritt Beispiel
An einem konkreten Beispiel lässt sich die Berechnung am besten verstehen. Hier ein vollständiges Break-Even-Beispiel:
Ausgangssituation:
Ein Unternehmen produziert und verkauft Schreibtischlampen. Die Kostensituation sieht wie folgt aus:
- Fixkosten pro Monat: 12.000 Euro
- Variable Kosten pro Stück: 8 Euro
- Verkaufspreis pro Stück: 20 Euro
Schritt 1: Deckungsbeitrag pro Stück berechnen
Zuerst wird der Deckungsbeitrag ermittelt:
Deckungsbeitrag pro Stück = Preis – variable Kosten
Deckungsbeitrag pro Stück = 20 Euro – 8 Euro = 12 Euro
Jede verkaufte Lampe trägt also 12 Euro zur Deckung der Fixkosten bei.
Schritt 2: Break-Even-Menge berechnen
Break-Even-Menge = Fixkosten / Deckungsbeitrag pro Stück
Break-Even-Menge = 12.000 Euro / 12 Euro = 1.000 Stück
Das Unternehmen muss mindestens 1.000 Lampen pro Monat verkaufen, um kostendeckend zu arbeiten.
Schritt 3: Break-Even-Umsatz berechnen
Break-Even-Umsatz = Break-Even-Menge × Preis pro Stück
Break-Even-Umsatz = 1.000 × 20 Euro = 20.000 Euro
Der Break-Even-Umsatz beträgt 20.000 Euro pro Monat.
Ergebnis: Werden weniger als 1.000 Lampen verkauft, entsteht ein Verlust. Ab der 1.001. Lampe erzielt das Unternehmen Gewinn.
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Break-Even-Point grafisch darstellen
In einem Break-Even-Diagramm werden Kosten und Erlöse als Linien über der produzierten Menge dargestellt. So lässt sich der Break-Even-Point auch visuell ablesen.

Beschreibung des Diagramms:
Die x-Achse zeigt die produzierte und verkaufte Menge in Stück. Die y-Achse zeigt die Kosten und Erlöse in Euro.
Im Diagramm gibt es drei Linien:
- Fixkostenlinie: Eine waagerechte Linie auf Höhe der gesamten Fixkosten. Sie verläuft konstant, da Fixkosten mengenneutral sind.
- Gesamtkostenlinie: Beginnt auf Höhe der Fixkosten und steigt gleichmäßig an – für jede weitere Einheit um den Betrag der variablen Kosten.
- Erlöslinie: Beginnt im Ursprung und steigt mit jeder verkauften Einheit um den Preis pro Stück an.
Der Break-Even-Point ist der Schnittpunkt von Erlöslinie und Gesamtkostenlinie. Links davon übersteigen die Kosten die Erlöse – das Unternehmen macht Verlust. Rechts davon sind die Erlöse höher als die Kosten – das Unternehmen macht Gewinn.
Typische Aufgaben zum Break-Even-Point (mit Lösung)
Aufgabe 1
Ein Unternehmen stellt Kugelschreiber her. Die monatlichen Fixkosten betragen 6.000 Euro. Jeder Kugelschreiber hat variable Kosten von 0,50 Euro und wird für 2,00 Euro verkauft. Berechne die Break-Even-Menge und den Break-Even-Umsatz.
Lösung:
Deckungsbeitrag pro Stück:
2,00 Euro – 0,50 Euro = 1,50 Euro
Break-Even-Menge:
6.000 Euro / 1,50 Euro = 4.000 Stück
Break-Even-Umsatz:
4.000 × 2,00 Euro = 8.000 Euro
Das Unternehmen muss monatlich mindestens 4.000 Kugelschreiber zu einem Umsatz von 8.000 Euro verkaufen, um die Gewinnschwelle zu erreichen.
Aufgabe 2
Ein Café hat monatliche Fixkosten von 9.000 Euro. Eine Tasse Kaffee kostet in der Herstellung 0,80 Euro (variable Kosten) und wird für 3,20 Euro verkauft. Ab welcher Anzahl verkaufter Tassen erzielt das Café Gewinn?
Lösung:
Deckungsbeitrag pro Tasse:
3,20 Euro – 0,80 Euro = 2,40 Euro
Break-Even-Menge:
9.000 Euro / 2,40 Euro = 3.750 Tassen
Das Café muss monatlich mehr als 3.750 Tassen Kaffee verkaufen, um Gewinn zu erzielen. Ab der 3.751. Tasse beginnt der Gewinnbereich.
Break-Even-Analyse in der Praxis
Die Break-Even-Analyse wird in vielen unternehmerischen Situationen eingesetzt. Sie hilft dabei, fundierte Entscheidungen zu treffen.
Typische Anwendungsfälle sind:
- Produkteinführung: Vor dem Launch eines neuen Produkts prüft ein Unternehmen, ob die erwartete Absatzmenge über der Break-Even-Menge liegt.
- Preisgestaltung: Wenn der Preis gesenkt wird, steigt die Break-Even-Menge. Die Analyse zeigt, ob das Absatzvolumen entsprechend steigen muss.
- Investitionsentscheidungen: Bei neuen Maschinen oder Standorten berechnen Unternehmen, ob der Mehrumsatz die höheren Fixkosten rechtfertigt.
- Unternehmensplanung: Die Break-Even-Menge dient als Mindestgröße für die Vertriebsplanung und Budgetierung.
Grenzen der Break-Even-Analyse
Die Break-Even-Analyse ist ein nützliches, aber vereinfachtes Instrument. In der Praxis gibt es wichtige Einschränkungen:
- Lineare Annahmen: Die Analyse setzt voraus, dass Preis und variable Kosten konstant bleiben. In der Realität ändern sich beide mit der Menge, zum Beispiel durch Mengenrabatte oder Preisanpassungen.
- Einproduktbetrachtung: Die klassische Break-Even-Formel gilt für ein einzelnes Produkt. Bei mehreren Produkten wird die Berechnung erheblich komplexer.
- Statische Betrachtung: Die Analyse bildet nur einen Zeitpunkt ab. Saisonale Schwankungen oder kurzfristige Kostenänderungen werden nicht berücksichtigt.
- Keine Liquiditätsaussage: Der Break-Even-Point sagt nichts darüber aus, ob ein Unternehmen zahlungsfähig ist – nur ob es kostendeckend arbeitet.
Häufige Fragen zum Break-Even-Point
Was ist der Break-Even-Point?
Der Break-Even-Point ist die Absatzmenge oder der Umsatz, bei dem ein Unternehmen weder Gewinn noch Verlust erzielt. Gesamterlöse und Gesamtkosten sind an diesem Punkt gleich hoch.
Wie berechnet man den Break-Even-Point?
Der Break-Even-Point wird berechnet, indem die Fixkosten durch den Deckungsbeitrag pro Stück geteilt werden. Die Formel lautet: Break-Even-Menge = Fixkosten / (Preis pro Stück – variable Kosten pro Stück).
Was ist der Unterschied zwischen Break-Even-Menge und Break-Even-Umsatz?
Die Break-Even-Menge ist die Stückzahl, die verkauft werden muss, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Der Break-Even-Umsatz ist der entsprechende Geldbetrag – also Break-Even-Menge multipliziert mit dem Preis pro Stück.
Was ist der Deckungsbeitrag und warum ist er wichtig?
Der Deckungsbeitrag pro Stück ist die Differenz zwischen Verkaufspreis und variablen Kosten pro Einheit. Er zeigt, wie viel jede verkaufte Einheit zur Deckung der Fixkosten beiträgt. Je höher der Deckungsbeitrag, desto niedriger ist die Break-Even-Menge.
Was passiert, wenn die Fixkosten steigen?
Steigen die Fixkosten, verschiebt sich der Break-Even-Point nach oben. Das Unternehmen muss mehr Einheiten verkaufen, um kostendeckend zu arbeiten. Umgekehrt sinkt die Break-Even-Menge, wenn die Fixkosten reduziert werden.
Ist die Break-Even-Analyse für alle Unternehmen geeignet?
Die Analyse eignet sich besonders gut für Unternehmen mit klar trennbaren Fixkosten und variablen Kosten sowie einem überschaubaren Produktsortiment. Bei sehr heterogenen Produktportfolios oder komplexen Kostenstrukturen stößt die Methode an Grenzen.
Zusammenfassung
Den Break-Even-Point berechnen ist eine grundlegende Kompetenz in BWL und Kostenrechnung. Hier die wichtigsten Punkte im Überblick:
- Der Break-Even-Point ist die Menge oder der Umsatz, bei dem weder Gewinn noch Verlust entsteht.
- Die Kernformel lautet: Break-Even-Menge = Fixkosten / Deckungsbeitrag pro Stück.
- Der Deckungsbeitrag pro Stück ergibt sich aus: Preis pro Stück – variable Kosten pro Stück.
- Der Break-Even-Umsatz ist die Break-Even-Menge multipliziert mit dem Preis pro Stück.
- Die Break-Even-Analyse hilft bei Preisentscheidungen, Investitionen und der Absatzplanung.
- Die Methode setzt konstante Preise und Kosten voraus und eignet sich am besten für Einproduktbetrachtungen.
Wer diese Grundlagen sicher beherrscht, ist für Klausuren in BWL, Rechnungswesen und Controlling gut vorbereitet.
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