Lineare Regression einfach erklärt: Formel & Beispiel

Das Wichtigste in Kürze
- Lineare Regression ist ein statistisches Verfahren, das den Zusammenhang zwischen Variablen modelliert und Vorhersagen ermöglicht, wobei die Formel y = a + bx + ε die beste Gerade durch eine Punktwolke beschreibt.
- Bei der Interpretation zeigt der Regressionskoeffizient b die Veränderung von y bei Erhöhung von x um eine Einheit, während das Bestimmtheitsmaß R² den erklärten Varianzanteil angibt.
- Für eine valide Analyse müssen Linearität, Homoskedastizität, Normalverteilung der Fehlerterme und Unabhängigkeit gegeben sein, wobei häufige Fehler wie Scheinkorrelation, unzulässige Extrapolation und Ignorieren von Ausreißern vermieden werden sollten.
Stell dir vor, du könntest aus historischen Daten präzise Vorhersagen für die Zukunft treffen – genau das ermöglicht dir die lineare Regression in der Wirtschaftswissenschaft. Als eines der fundamentalsten statistischen Verfahren hilft sie dir dabei, Zusammenhänge zwischen verschiedenen Variablen zu verstehen und quantifizierbare Prognosen zu erstellen. Ob du nun Absätze prognostizieren, Preisstrategien entwickeln oder Marktanalysen durchführen möchtest – die lineare Regression ist dein unverzichtbares Werkzeug. Aber wie funktioniert dieses mächtige Analyseinstrument genau? Welche Formel steckt dahinter und wie wendest du sie in der Praxis an? Und worauf musst du bei der Interpretation der Ergebnisse achten?
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Was ist lineare Regression und warum ist sie so wichtig?
Die lineare Regression ist ein statistisches Verfahren, das dir ermöglicht, den linearen Zusammenhang zwischen einer abhängigen Variable (y) und einer oder mehreren unabhängigen Variablen (x) zu modellieren. In der BWL und VWL nutzt du diese Methode, um kausale Beziehungen zu analysieren und fundierte Geschäftsentscheidungen zu treffen.
Merke: Die lineare Regression sucht die beste Gerade durch eine Punktwolke von Datenpunkten, um den Zusammenhang zwischen zwei Variablen mathematisch zu beschreiben.
Das Verfahren basiert auf der Annahme, dass sich die Beziehung zwischen den Variablen durch eine Gerade darstellen lässt. Diese Gerade minimiert die Summe der quadrierten Abweichungen aller Datenpunkte – daher auch der Begriff "Methode der kleinsten Quadrate" (Least Squares).
Unterscheidung zwischen einfacher und multipler Regression
Bei der einfachen linearen Regression untersuchst du den Zusammenhang zwischen nur zwei Variablen. Die multiple Regression hingegen bezieht mehrere erklärende Variablen ein und ermöglicht komplexere Analysen.
Wie lautet die Formel der linearen Regression?
Die Grundformel der einfachen linearen Regression lautet:
y = a + bx + ε
Dabei bedeuten:
- y = abhängige Variable (Regressand)
- a = y-Achsenabschnitt (Konstante)
- b = Steigungskoeffizient (Regressionskoeffizient)
- x = unabhängige Variable (Regressor)
- ε = Fehlerterm (Residuum)
Berechnung der Regressionskoeffizienten
Die Steigung b berechnest du mit:
b = Σ[(xi - x̄)(yi - ȳ)] / Σ(xi - x̄)²
Den y-Achsenabschnitt a ermittelst du durch:
a = ȳ - b × x̄
Hierbei sind x̄ und ȳ die arithmetischen Mittelwerte der jeweiligen Variablen.
Prüfungstipp: Verwechsle nicht die Richtung der Kausalität! Die abhängige Variable y wird durch x erklärt, nicht umgekehrt. Dieser Fehler kommt in Klausuren häufig vor.
Wie interpretierst du die Ergebnisse einer Regressionsanalyse?
Der Regressionskoeffizient
Der Steigungskoeffizient b gibt an, um wie viele Einheiten sich y im Durchschnitt verändert, wenn x um eine Einheit zunimmt. Ein positiver Wert bedeutet einen positiven Zusammenhang, ein negativer Wert einen negativen.
Das Bestimmtheitsmaß (R²)
Das R² zeigt dir, welcher Anteil der Varianz von y durch das Modell erklärt wird. Es liegt zwischen 0 und 1:
- R² = 0,8 bedeutet: 80% der Varianz werden erklärt
- R² = 0,2 bedeutet: nur 20% der Varianz werden erklärt
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts solltest du bei wirtschaftswissenschaftlichen Analysen ein R² von mindestens 0,6 anstreben, um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen.
Praxisbeispiel: Absatzprognose im Einzelhandel
Situation: Ein Elektronikfachmarkt möchte den Zusammenhang zwischen Werbeausgaben (x) und Umsatz (y) analysieren.
Daten:
- Werbeausgaben: 1.000€, 2.000€, 3.000€, 4.000€, 5.000€
- Umsatz: 15.000€, 22.000€, 28.000€, 35.000€, 42.000€
Ergebnis der Regression: y = 8.200 + 6,8x
Interpretation: Pro zusätzlichem Euro Werbeausgaben steigt der Umsatz um durchschnittlich 6,80€. Der Grundumsatz ohne Werbung beträgt 8.200€.
Welche Voraussetzungen muss eine lineare Regression erfüllen?
Für eine valide Regressionsanalyse müssen mehrere Annahmen erfüllt sein:
| Voraussetzung | Bedeutung | Überprüfung |
|---|---|---|
| Linearität | Linearer Zusammenhang zwischen x und y | Streudiagramm |
| Homoskedastizität | Konstante Fehlervarianz | Residuenplot |
| Normalverteilung | Fehlerterme sind normalverteilt | Q-Q-Plot |
| Unabhängigkeit | Keine Autokorrelation der Residuen | Durbin-Watson-Test |
Praxisbeispiel: Bei Zeitreihenanalysen von Börsenkursen verletzt oft die Annahme der Unabhängigkeit, da aufeinanderfolgende Kurse korrelieren können.
Wie gehst du bei der praktischen Durchführung vor?
Schritt 1: Datensammlung und -aufbereitung
Sammle relevante, qualitativ hochwertige Daten. Achte auf Vollständigkeit und eliminiere Ausreißer, die deine Ergebnisse verzerren könnten.
Schritt 2: Explorative Datenanalyse
Erstelle zunächst ein Streudiagramm, um den visuellen Zusammenhang zu beurteilen. Berechne Korrelationskoeffizienten als ersten Indikator für die Stärke des linearen Zusammenhangs.
Schritt 3: Modellschätzung
Nutze Software wie Excel, R oder SPSS zur Berechnung der Regressionskoeffizienten. Die meisten Programme liefern dir automatisch alle relevanten Statistiken.
Schritt 4: Modellvalidierung
Überprüfe die Voraussetzungen durch entsprechende Tests und Grafiken. Bei Verletzungen musst du das Modell anpassen oder alternative Verfahren wählen.
Prüfungstipp: Vergiss nie die Überprüfung der Modellannahmen! Viele Studierende konzentrieren sich nur auf die Berechnung, aber die Validierung ist genauso wichtig für die Bewertung.
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Welche häufigen Fehler solltest du vermeiden?
Scheinkorrelation
Nur weil zwei Variablen korrelieren, bedeutet das nicht automatisch Kausalität. Die OECD warnt regelmäßig vor voreiligen Schlüssen in wirtschaftspolitischen Analysen.
Extrapolation außerhalb des Datenbereichs
Verwende dein Regressionsmodell nur für Vorhersagen innerhalb des ursprünglichen Wertebereichs deiner Daten.
Ignorieren von Ausreißern
Einzelne extreme Werte können deine Regressionsgerade stark beeinflussen. Identifiziere und behandle Ausreißer angemessen.
Anwendungsgebiete in BWL und VWL
Die lineare Regression findet vielfältige Anwendung:
- Marketing: Zusammenhang zwischen Werbeausgaben und Absatz
- Personalwesen: Einfluss von Qualifikationen auf Gehälter
- Finanzierung: Beziehung zwischen Risiko und Rendite
- Volkswirtschaft: Analyse makroökonomischer Zusammenhänge
Laut Statista nutzen über 85% der DAX-Unternehmen Regressionsanalysen für ihre strategische Planung.
FAQ zur linearen Regression
Was ist der Unterschied zwischen Korrelation und Regression?
Die Korrelation misst nur die Stärke des linearen Zusammenhangs zwischen zwei Variablen, während die Regression eine kausale Beziehung modelliert und Vorhersagen ermöglicht. Die Regression liefert zusätzlich konkrete Koeffizienten für die mathematische Beschreibung des Zusammenhangs.
Wie erkenne ich, ob mein Regressionsmodell gut ist?
Ein gutes Modell zeichnet sich durch ein hohes R² (idealerweise > 0,6), signifikante Regressionskoeffizienten (p-Wert < 0,05) und die Erfüllung aller Modellannahmen aus. Zusätzlich sollten die Residuen zufällig um null streuen ohne erkennbare Muster.
Was bedeutet ein negativer Regressionskoeffizient?
Ein negativer Koeffizient zeigt einen inversen Zusammenhang: Steigt die unabhängige Variable x um eine Einheit, sinkt die abhängige Variable y um den Betrag des Koeffizienten. Beispiel: Je höher der Preis, desto geringer die Nachfrage.
Kann ich mehrere unabhängige Variablen gleichzeitig analysieren?
Ja, das ist die multiple Regression. Die Formel erweitert sich zu y = a + b₁x₁ + b₂x₂ + ... + bₙxₙ + ε. Dabei zeigt jeder Koeffizient den Einfluss der jeweiligen Variable unter Konstanthaltung aller anderen Variablen.
Wie gehe ich mit fehlenden Datenpunkten um?
Fehlende Werte kannst du durch Listwise Deletion (komplette Fälle löschen), Pairwise Deletion (nur fehlende Werte ausschließen) oder Imputation (Schätzung der fehlenden Werte) behandeln. Die Wahl hängt von der Anzahl und dem Muster der fehlenden Daten ab.
Die lineare Regression ist ein mächtiges Werkzeug in deinem statistischen Arsenal, das dir hilft, komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Mit der richtigen Anwendung und kritischen Interpretation der Ergebnisse wird sie zu einem unverzichtbaren Bestandteil deiner analytischen Fähigkeiten. Denke immer daran: Ein Modell ist nur so gut wie die Daten, auf denen es basiert, und die Sorgfalt, mit der du es validierst.
