Fertigungsplanung Aufgaben: Übungen mit Lösungen
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Das Wichtigste in Kürze
- Fertigungsplanung ist das Herzstück effizienter Produktionsprozesse und umfasst verschiedene zeitliche Horizonte (lang-, mittel- und kurzfristig) zur optimalen Gestaltung von Herstellungsprozessen.
- Zentrale Methoden der Fertigungsplanung umfassen Losgrößenoptimierung, Maschinenbelegungsplanung mit Prioritätsregeln, Netzplantechnik und Material Requirements Planning (MRP).
- Digitale Tools und regelmäßiges Üben verschiedener Aufgabentypen ermöglichen die effektive Anwendung von Fertigungsplanungsprinzipien und verbessern die Kompetenz in diesem für die Wettbewerbsfähigkeit entscheidenden Bereich.
Du stehst vor einer wichtigen Klausur in Betriebswirtschaftslehre und die Fertigungsplanung bereitet dir Kopfzerbrechen? Keine Sorge – mit den richtigen Übungen und einem strukturierten Vorgehen meisterst du dieses Thema spielend! Die Fertigungsplanung ist das Herzstück jeder Produktion und entscheidet maßgeblich über den Erfolg eines Unternehmens.
Was ist Fertigungsplanung?
Die Fertigungsplanung umfasst alle Aktivitäten zur optimalen Gestaltung und Steuerung von Produktionsprozessen. Sie koordiniert den Einsatz von Material, Maschinen und Personal, um Produkte termingerecht, kosteneffizient und in der gewünschten Qualität herzustellen.
Kernbereiche der Fertigungsplanung
Die Fertigungsplanung gliedert sich in mehrere zentrale Bereiche:
- Produktionsplanung: Bestimmung der herzustellenden Mengen und Termine
- Kapazitätsplanung: Abstimmung zwischen Bedarf und verfügbaren Ressourcen
- Materialplanung: Sicherstellung der rechtzeitigen Materialbereitstellung
- Ablaufplanung: Optimierung der Reihenfolge von Arbeitsgängen
- Terminplanung: Festlegung von Start- und Endterminen für Produktionsaufträge
Ziele der Fertigungsplanung
- Liefertermineinhaltung: Pünktliche Auslieferung an Kunden
- Kostenminimierung: Reduzierung von Lager-, Rüst- und Leerkosten
- Kapazitätsauslastung: Optimale Nutzung von Maschinen und Personal
- Bestandsoptimierung: Minimierung von Lager- und Umlaufbeständen
- Flexibilität: Schnelle Anpassung an Marktveränderungen
Praktische Beispiele
Beispiel 1: Einfache Losgrößenberechnung (EOQ-Modell)
Die Müller GmbH produziert Schrauben. Der jährliche Bedarf beträgt 12.000 Stück, die Bestellkosten pro Auftrag 150 € und die Lagerkostensatz 20% des Einstandspreises von 2 € pro Stück.
Gegeben:
- Jahresbedarf (D) = 12.000 Stück
- Bestellkosten (K) = 150 €
- Einstandspreis (p) = 2 €
- Lagerkostensatz (i) = 20% = 0,2
Berechnung der optimalen Bestellmenge:
EOQ = √(2 × D × K / (i × p))
Schritt 1: Lagerkostensatz berechnen Lagerkosten pro Stück = 0,2 × 2 € = 0,4 € pro Stück und Jahr
Schritt 2: EOQ-Formel anwenden EOQ = √(2 × 12.000 × 150 / 0,4) EOQ = √(3.600.000 / 0,4) EOQ = √9.000.000 EOQ = 3.000 Stück
Ergebnis: Die optimale Bestellmenge beträgt 3.000 Stück.
Beispiel 2: Kapazitätsplanung mit Engpassanalyse
Ein Unternehmen produziert zwei Produkte A und B mit folgenden Daten:
| Produkt | Stückdeckungsbeitrag | Bearbeitungszeit Maschine 1 | Bearbeitungszeit Maschine 2 |
|---|---|---|---|
| A | 100 € | 2 Std. | 3 Std. |
| B | 120 € | 4 Std. | 2 Std. |
Verfügbare Kapazitäten:
- Maschine 1: 800 Stunden/Monat
- Maschine 2: 600 Stunden/Monat
Schritt 1: Deckungsbeitrag pro Engpassstunde berechnen
Für Maschine 1:
- Produkt A: 100 € / 2 Std. = 50 €/Std.
- Produkt B: 120 € / 4 Std. = 30 €/Std.
Für Maschine 2:
- Produkt A: 100 € / 3 Std. = 33,33 €/Std.
- Produkt B: 120 € / 2 Std. = 60 €/Std.
Schritt 2: Engpass identifizieren Bei maximaler Produktion von A: 800/2 = 400 Einheiten (Maschine 1) vs. 600/3 = 200 Einheiten (Maschine 2) → Maschine 2 ist der Engpass für Produkt A
Schritt 3: Optimales Produktionsprogramm Da Produkt B den höchsten Deckungsbeitrag pro Engpassstunde (Maschine 2) erzielt, sollte B priorisiert werden.
Beispiel 3: Durchlaufzeitberechnung
Ein Auftrag durchläuft 4 Arbeitsstationen mit folgenden Zeiten:
| Station | Rüstzeit | Bearbeitungszeit pro Stück | Losgröße |
|---|---|---|---|
| 1 | 30 min | 5 min | 100 Stk |
| 2 | 45 min | 8 min | 100 Stk |
| 3 | 20 min | 3 min | 100 Stk |
| 4 | 60 min | 10 min | 100 Stk |
Berechnung der Durchlaufzeit:
Schritt 1: Bearbeitungszeit pro Station berechnen
- Station 1: 30 + (100 × 5) = 30 + 500 = 530 min
- Station 2: 45 + (100 × 8) = 45 + 800 = 845 min
- Station 3: 20 + (100 × 3) = 20 + 300 = 320 min
- Station 4: 60 + (100 × 10) = 60 + 1.000 = 1.060 min
Schritt 2: Gesamtdurchlaufzeit Durchlaufzeit = 530 + 845 + 320 + 1.060 = 2.755 min = 45,9 Stunden
Übungen mit Lösungen
Übung 1: Produktionsmengenplanung (Leicht)
Aufgabenstellung: Die Wagner AG plant die Produktion für das kommende Quartal. Für Produkt X liegen folgende Daten vor:
- Prognostizierte Nachfrage: 1.200 Stück
- Anfangsbestand: 300 Stück
- Sicherheitsbestand: 150 Stück
- Endbestand soll: 200 Stück betragen
Berechne die erforderliche Produktionsmenge.
Schwierigkeitsgrad: Leicht
Tipp: Verwende die Grundformel der Produktionsplanung: Produktionsmenge = Nachfrage + Endbestand - Anfangsbestand
Lösung:
Schritt 1: Formel anwenden Produktionsmenge = Nachfrage + Endbestand - Anfangsbestand Produktionsmenge = 1.200 + 200 - 300 = 1.100 Stück
Schritt 2: Sicherheitsbestand prüfen Der gewünschte Endbestand von 200 Stück liegt über dem Sicherheitsbestand von 150 Stück ✓
Ergebnis: Die erforderliche Produktionsmenge beträgt 1.100 Stück.
Übung 2: ABC-Analyse (Leicht)
Aufgabenstellung: Führe eine ABC-Analyse für folgende Materialien durch:
| Material | Jahresverbrauch (Stück) | Preis pro Stück (€) |
|---|---|---|
| M1 | 1.000 | 50 |
| M2 | 5.000 | 8 |
| M3 | 800 | 25 |
| M4 | 2.000 | 15 |
| M5 | 600 | 80 |
Schwierigkeitsgrad: Leicht
Tipp: Berechne zuerst den Jahreswert jedes Materials und sortiere nach dem Wertanteil.
Lösung:
Schritt 1: Jahreswerte berechnen
- M1: 1.000 × 50 = 50.000 €
- M2: 5.000 × 8 = 40.000 €
- M3: 800 × 25 = 20.000 €
- M4: 2.000 × 15 = 30.000 €
- M5: 600 × 80 = 48.000 €
Schritt 2: Gesamtwert und Anteile berechnen Gesamtwert = 188.000 €
| Material | Jahreswert | Anteil | Kumuliert |
|---|---|---|---|
| M1 | 50.000 € | 26,6% | 26,6% |
| M5 | 48.000 € | 25,5% | 52,1% |
| M2 | 40.000 € | 21,3% | 73,4% |
| M4 | 30.000 € | 16,0% | 89,4% |
| M3 | 20.000 € | 10,6% | 100,0% |
Schritt 3: ABC-Klassifizierung
- A-Materialien (ca. 80% Wertanteil): M1, M5, M2
- B-Materialien (ca. 15% Wertanteil): M4
- C-Materialien (ca. 5% Wertanteil): M3
Übung 3: Maschinenbelegungsplanung (Mittel)
Aufgabenstellung: An einer Maschine sollen 5 Aufträge bearbeitet werden. Bestimme die optimale Reihenfolge nach der "Kürzeste Bearbeitungszeit zuerst"-Regel (SPT):
| Auftrag | Bearbeitungszeit (Std.) | Fälligkeitstermin (Stunden ab heute) |
|---|---|---|
| A | 4 | 12 |
| B | 2 | 6 |
| C | 8 | 20 |
| D | 3 | 15 |
| E | 6 | 18 |
Schwierigkeitsgrad: Mittel
Tipp: Sortiere die Aufträge nach ihrer Bearbeitungszeit aufsteigend und berechne die Wartezeiten.
Lösung:
Schritt 1: Aufträge nach Bearbeitungszeit sortieren B (2h) → D (3h) → A (4h) → E (6h) → C (8h)
Schritt 2: Fertigstellungszeitpunkte berechnen
- Auftrag B: 0 + 2 = 2 Stunden
- Auftrag D: 2 + 3 = 5 Stunden
- Auftrag A: 5 + 4 = 9 Stunden
- Auftrag E: 9 + 6 = 15 Stunden
- Auftrag C: 15 + 8 = 23 Stunden
Schritt 3: Verspätungen berechnen
- Auftrag B: max(0, 2-6) = 0 Stunden (pünktlich)
- Auftrag D: max(0, 5-15) = 0 Stunden (pünktlich)
- Auftrag A: max(0, 9-12) = 0 Stunden (pünktlich)
- Auftrag E: max(0, 15-18) = 0 Stunden (pünktlich)
- Auftrag C: max(0, 23-20) = 3 Stunden (verspätet)
Ergebnis: Optimale Reihenfolge: B → D → A → E → C mit einer Gesamtverspätung von 3 Stunden.
Übung 4: Kapazitätsabgleich (Mittel)
Aufgabenstellung: Ein Betrieb hat für die kommende Woche folgende Situation:
Kapazitätsbedarf:
- Montag: 120 Stunden
- Dienstag: 150 Stunden
- Mittwoch: 180 Stunden
- Donnerstag: 100 Stunden
- Freitag: 140 Stunden
Verfügbare Kapazität: 130 Stunden pro Tag (Normalschicht) Überstundenkapazität: Max. 30 Stunden pro Tag (zu 150% der Normalkosten) Kosten Normalzeit: 25 €/Stunde Kosten Überstunden: 37,50 €/Stunde
Plane den Kapazitätseinsatz kostenoptimal!
Schwierigkeitsgrad: Mittel
Tipp: Prüfe täglich, ob Überstunden nötig sind, und berechne die Gesamtkosten.
Lösung:
Schritt 1: Kapazitätslücken identifizieren
| Tag | Bedarf | Normal | Überstunden nötig |
|---|---|---|---|
| Montag | 120h | 120h | 0h |
| Dienstag | 150h | 130h | 20h |
| Mittwoch | 180h | 130h | 50h (→ nur 30h möglich) |
| Donnerstag | 100h | 100h | 0h |
| Freitag | 140h | 130h | 10h |
Schritt 2: Kapazitätsanpassung Mittwoch: 180h Bedarf > 160h verfügbar (130h + 30h) → 20h müssen auf andere Tage verlagert werden
Mögliche Verlagerung:
- Montag: 10h zusätzlich (120h + 10h = 130h)
- Donnerstag: 10h zusätzlich (100h + 10h = 110h)
Schritt 3: Kostenberechnung
| Tag | Normalzeit | Überstunden | Kosten Normal | Kosten Überst. | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|
| Montag | 130h | 0h | 3.250 € | 0 € | 3.250 € |
| Dienstag | 130h | 20h | 3.250 € | 750 € | 4.000 € |
| Mittwoch | 130h | 30h | 3.250 € | 1.125 € | 4.375 € |
| Donnerstag | 110h | 0h | 2.750 € | 0 € | 2.750 € |
| Freitag | 130h | 10h | 3.250 € | 375 € | 3.625 € |
Gesamtkosten: 18.000 €
Übung 5: Komplexe Losgrößenplanung mit Restriktionen (Schwer)
Aufgabenstellung: Die TechPro GmbH produziert drei Produkte (A, B, C) mit folgenden Daten:
| Produkt | Jahresbedarf | Rüstkosten | Lagerkostensatz | Stückkosten | Max. Losgröße |
|---|---|---|---|---|---|
| A | 10.000 | 800 € | 25% | 40 € | 2.000 |
| B | 15.000 | 1.200 € | 20% | 60 € | 3.000 |
| C | 8.000 | 600 € | 30% | 25 € | 1.500 |
Zusätzliche Restriktionen:
- Maximale Lagerkapazität: 4.000 Stück (für alle Produkte zusammen)
- Verfügbare Rüstzeit: 200 Stunden/Jahr
- Rüstzeit pro Los: A = 4h, B = 6h, C = 3h
Berechne das optimale Produktions- und Lagerprogramm!
Schwierigkeitsgrad: Schwer
Tipp: Berechne zuerst die EOQ-Werte und prüfe dann die Restriktionen systematisch.
Lösung:
Schritt 1: Optimale Losgrößen (EOQ) berechnen
Produkt A: EOQ_A = √(2 × 10.000 × 800 / (0,25 × 40)) = √(16.000.000 / 10) = 1.265 Stück
Produkt B: EOQ_B = √(2 × 15.000 × 1.200 / (0,20 × 60)) = √(36.000.000 / 12) = 1.732 Stück
Produkt C: EOQ_C = √(2 × 8.000 × 600 / (0,30 × 25)) = √(9.600.000 / 7,5) = 1.131 Stück
Schritt 2: Restriktionen prüfen
Losgröße-Restriktionen:
- A: 1.265 < 2.000 ✓
- B: 1.732 < 3.000 ✓
- C: 1.131 < 1.500 ✓
Lagerkapazität prüfen: Durchschnittlicher Lagerbestand = Losgröße / 2
- A: 1.265 / 2 = 633 Stück
- B: 1.732 / 2 = 866 Stück
- C: 1.131 / 2 = 566 Stück
- Gesamt: 633 + 866 + 566 = 2.065 Stück < 4.000 ✓
Rüstzeit prüfen: Anzahl Rüstvorgänge = Jahresbedarf / Losgröße
- A: 10.000 / 1.265 = 7,9 ≈ 8 Rüstvorgänge × 4h = 32h
- B: 15.000 / 1.732 = 8,7 ≈ 9 Rüstvorgänge × 6h = 54h
- C: 8.000 / 1.131 = 7,1 ≈ 8 Rüstvorgänge × 3h = 24h
- Gesamt: 32 + 54 + 24 = 110h < 200h ✓
Schritt 3: Gesamtkostenberechnung
Produkt A:
- Rüstkosten: (10.000 / 1.265) × 800 = 6.324 €
- Lagerkosten: (1.265 / 2) × (0,25 × 40) = 6.325 €
- Summe: 12.649 €
Produkt B:
- Rüstkosten: (15.000 / 1.732) × 1.200 = 10.392 €
- Lagerkosten: (1.732 / 2) × (0,20 × 60) = 10.392 €
- Summe: 20.784 €
Produkt C:
- Rüstkosten: (8.000 / 1.131) × 600 = 4.243 €
- Lagerkosten: (1.131 / 2) × (0,30 × 25) = 4.241 €
- Summe: 8.484 €
Ergebnis:
- Optimale Losgrößen: A = 1.265 Stück, B = 1.732 Stück, C = 1.131 Stück
- Gesamte Rüst- und Lagerkosten: 41.917 €
- Alle Restriktionen werden eingehalten
Interne Verlinkungen
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Übungs-Links
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