Target Costing vs. Vollkostenrechnung: Wann was nutzen?

Das Wichtigste in Kürze
- Target Costing beginnt beim Marktpreis und arbeitet rückwärts zu den erlaubten Kosten, während die Vollkostenrechnung vom Produkt ausgeht und alle Kosten ermittelt.
- Target Costing eignet sich besonders für wettbewerbsintensive Märkte und Produktentwicklung, während die Vollkostenrechnung bei etablierten Produkten und monopolistischen Märkten Vorteile bietet.
- In der Praxis kombinieren viele Unternehmen beide Verfahren, indem sie Target Costing für die strategische Planung und Vollkostenrechnung für das operative Geschäft einsetzen.
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Wenn du in der nächsten Prüfung zwischen Target Costing und Vollkostenrechnung unterscheiden musst, stehst du vor einer der wichtigsten Weichenstellungen im Kostenmanagement. Beide Verfahren verfolgen völlig unterschiedliche Philosophien: Während die traditionelle Vollkostenrechnung vom Produkt ausgeht und die Kosten ermittelt, startet Target Costing beim Marktpreis und arbeitet rückwärts zu den erlaubten Kosten. Doch welches Verfahren eignet sich für welche Unternehmenssituation? Wann solltest du als angehende Führungskraft zu welchem Kostenrechnungsverfahren greifen? Und welche Vor- und Nachteile bringen beide Methoden in der praktischen Anwendung mit sich?
Bevor wir in die Details einsteigen: Mehr Übungen und Lernkarten zu beiden Kostenrechnungsverfahren findest du hier: https://www.wiwi-lernkarten.de/kurse
Was ist Target Costing und wie funktioniert es?
Target Costing, auch als Zielkostenrechnung bekannt, dreht die klassische Kostenrechnung um 180 Grad. Statt zuerst die Produktkosten zu kalkulieren und dann den Verkaufspreis festzulegen, startest du beim vom Markt akzeptierten Preis und arbeitest dich zu den maximal erlaubten Kosten vor.
Merke: Target Costing = Marktpreis - gewünschte Gewinnmarge = Zielkosten (Target Costs)
Der Prozess läuft in drei Phasen ab:
- Market-into-Company: Ermittlung des marktfähigen Preises durch Marktforschung
- Product-into-Company: Ableitung der Zielkosten und Verteilung auf Produktkomponenten
- Company-wide: Umsetzung der Kostenziele in allen Unternehmensbereichen
Das Verfahren stammt ursprünglich aus Japan und wurde in den 1960er Jahren bei Toyota entwickelt. Heute nutzen es Unternehmen weltweit, besonders in wettbewerbsintensiven Märkten.
Praxisbeispiel: Ein Automobilhersteller plant ein neues Kompaktfahrzeug. Die Marktforschung zeigt: Kunden sind bereit, maximal 18.000 Euro zu zahlen. Bei einer angestrebten Gewinnmarge von 15% ergeben sich Zielkosten von 15.300 Euro. Jetzt muss das Entwicklungsteam ein Auto konstruieren, das diese Kostenvorgabe einhält.
Wie funktioniert die traditionelle Vollkostenrechnung?
Die Vollkostenrechnung folgt dem klassischen Bottom-up-Ansatz: Du ermittelst sämtliche Kosten, die bei der Produkterstellung anfallen, und addierst einen Gewinnaufschlag. Diese Methode ist seit Jahrzehnten etabliert und in vielen Unternehmen Standard.
Bei der Vollkostenrechnung werden alle direkten und indirekten Kosten auf die Kostenträger verteilt:
- Einzelkosten: direkt zurechenbare Kosten (Material, Fertigungslöhne)
- Gemeinkosten: indirekt zurechenbare Kosten (Verwaltung, Vertrieb, Fertigung)
Die Gemeinkostenzuschläge werden über Zuschlagssätze verteilt, die auf Basis von Bezugsgrößen wie Fertigungslöhnen oder Maschinenstunden berechnet werden.
Prüfungstipp: Achte in Klausuren darauf, dass bei der Vollkostenrechnung ALLE Kosten berücksichtigt werden müssen - ein häufiger Fehler ist das Vergessen von Verwaltungs- oder Vertriebsgemeinkosten.
Nach der Kostenkalkulation wird der Verkaufspreis durch Addition einer Gewinnmarge bestimmt: Verkaufspreis = Selbstkosten + Gewinnaufschlag
Wann solltest du Target Costing einsetzen?
Target Costing eignet sich besonders für bestimmte Marktsituationen und Unternehmensstrategien. Die Zielkostenrechnung zeigt ihre Stärken vor allem bei:
Wettbewerbsintensive Märkte: Wenn der Marktpreis bereits durch Konkurrenten feststeht, bleibt nur die Kostenseite als Stellschraube für die Profitabilität.
Kundenorientierte Branchen: In Märkten, wo Kundenwünsche und Zahlungsbereitschaft im Vordergrund stehen, hilft Target Costing dabei, profitable Produkte zu entwickeln.
Neue Produktentwicklung: Besonders in frühen Entwicklungsphasen kannst du mit Target Costing sicherstellen, dass das Endprodukt marktfähig wird.
| Einsatzgebiet | Vorteil des Target Costing |
|---|---|
| Automobilindustrie | Kostendruck durch Wettbewerb |
| Konsumgüter | Hohe Preissensibilität der Kunden |
| Elektronik | Schnelle Technologiezyklen |
| Möbelindustrie | Designorientierte Kaufentscheidungen |
Merke: Target Costing funktioniert am besten, wenn du den Marktpreis zuverlässig bestimmen kannst und ausreichend Gestaltungsspielraum in der Produktentwicklung hast.
Die Methode erfordert allerdings eine enge Zusammenarbeit zwischen Marketing, Entwicklung und Controlling. Ohne diese interdisziplinäre Kooperation scheitert die Umsetzung der Zielkosten oft bereits in der Planungsphase.
In welchen Situationen ist die Vollkostenrechnung die bessere Wahl?
Die traditionelle Vollkostenrechnung hat trotz der Popularität moderner Verfahren ihre Berechtigung. Sie eignet sich besonders für:
Etablierte Produkte: Bei Produkten mit stabilen Kostenstrukturen und bekannten Marktpositionen bietet die Vollkostenrechnung eine solide Kalkulationsbasis.
Monopolistische Märkte: Wenn du als Unternehmen wenig Preisdruck verspürst, kannst du deine Kosten als Grundlage für die Preisfindung nutzen.
Öffentliche Aufträge: Viele Behörden verlangen Vollkostennachweise, besonders bei Ausschreibungen und Subventionen.
Interne Verrechnungspreise: Für die Verrechnung zwischen Unternehmensbereichen ist die Vollkostenrechnung oft transparenter und einfacher zu handhaben.
Praxisbeispiel: Ein Beratungsunternehmen kalkuliert seine Stundensätze auf Basis der Vollkosten. Alle Gehälter, Büromieten, IT-Kosten und Verwaltungsaufwendungen werden auf die abrechenbaren Stunden umgelegt. Darauf kommt ein Gewinnzuschlag von 25%. Diese Methode ist für Kunden nachvollziehbar und für interne Kalkulationen praktikabel.
Die Vollkostenrechnung punktet mit ihrer Einfachheit und Verständlichkeit. Besonders in mittelständischen Unternehmen ohne komplexe Controlling-Strukturen ist sie oft die pragmatischere Lösung.
Prüfungstipp: In Klausuren wird oft nach den Grenzen der Vollkostenrechnung gefragt. Wichtige Kritikpunkte sind: fehlende Marktorientierung, Probleme bei der Gemeinkostenschlüsselung und mangelnde Zukunftsorientierung.
Welche Vor- und Nachteile haben beide Verfahren?
Für eine fundierte Entscheidung zwischen Target Costing und Vollkostenrechnung solltest du die jeweiligen Stärken und Schwächen kennen:
Target Costing: Vorteile und Nachteile
Vorteile:
- Hohe Marktorientierung durch Fokus auf Kundenzahlungsbereitschaft
- Kostendisziplin bereits in der Entwicklungsphase
- Förderung interdisziplinärer Zusammenarbeit
- Bessere Wettbewerbsfähigkeit durch marktgerechte Preise
Nachteile:
- Hoher Aufwand für Marktforschung und Kostenplanung
- Schwierige Prognose zukünftiger Marktpreise
- Gefahr von Qualitätseinbußen durch Kostendruck
- Komplexe Umsetzung in der Organisation
Vollkostenrechnung: Vorteile und Nachteile
Vorteile:
- Einfache und verständliche Methodik
- Vollständige Kostentransparenz
- Bewährte Praxis mit etablierten Standards
- Rechtssicherheit bei externen Nachweispflichten
Nachteile:
- Fehlende Marktorientierung
- Problematische Gemeinkostenschlüsselung
- Vergangenheitsorientierte Daten
- Gefahr von Marktferne bei der Preisbildung
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Wie kombinierst du beide Verfahren optimal?
In der Praxis musst du nicht zwischen Target Costing und Vollkostenrechnung wählen - eine geschickte Kombination beider Verfahren kann optimal sein. Viele Unternehmen nutzen einen hybriden Ansatz:
Strategische Produktplanung: Target Costing für neue Produkte und strategische Entscheidungen Operative Kalkulation: Vollkostenrechnung für Tagesgeschäft und etablierte Produkte Controlling: Abgleich zwischen Zielkosten und tatsächlichen Vollkosten
Die Kombination ermöglicht es dir, sowohl marktorientiert zu planen als auch kostendeckend zu kalkulieren. Besonders in Branchen mit unterschiedlichen Produktlebenszyklen bewährt sich dieser Ansatz.
Merke: Die beste Kostenrechnungsmethode ist die, die zu deiner Unternehmensstrategie und Marktsituation passt. Dogmatisches Festhalten an einer Methode führt oft zu suboptimalen Ergebnissen.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes setzen etwa 60% der deutschen Industrieunternehmen hybride Kostenrechnungssysteme ein, die Elemente verschiedener Verfahren kombinieren.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Hauptunterschied zwischen Target Costing und Vollkostenrechnung? Target Costing startet beim Marktpreis und ermittelt die maximal zulässigen Kosten, während die Vollkostenrechnung alle angefallenen Kosten erfasst und darauf basierend den Verkaufspreis kalkuliert. Target Costing ist marktorientiert, Vollkostenrechnung kostenorientiert.
Welches Verfahren eignet sich besser für Start-ups? Start-ups sollten eher Target Costing verwenden, da sie zunächst marktfähige Preise ermitteln müssen. Die Vollkostenrechnung kann in frühen Phasen irreführend sein, da noch keine stabilen Kostenstrukturen existieren und der Markt die Preise vorgibt.
Kann ich beide Verfahren gleichzeitig anwenden? Ja, viele Unternehmen kombinieren beide Ansätze erfolgreich. Target Costing für strategische Produktplanung und Vollkostenrechnung für operative Kalkulationen. Diese Hybridlösung nutzt die Vorteile beider Systeme und minimiert deren jeweilige Nachteile.
Welche Branchen nutzen hauptsächlich Target Costing? Target Costing wird besonders in der Automobilindustrie, Elektronikbranche, Konsumgüterindustrie und Möbelbranche eingesetzt. Überall dort, wo hoher Wettbewerbsdruck herrscht und Kunden preissensibel sind, bewährt sich die marktorientierte Kostenplanung.
Wie genau ermittle ich den Marktpreis für Target Costing? Den Marktpreis ermittelst du durch Marktforschung, Konkurrenzanalysen, Kundenbefragungen und Preistests. Auch Expertenmeinungen und historische Preisdaten fließen ein. Wichtig ist eine realistische Einschätzung der Kundenzahlungsbereitschaft für das geplante Produkt.
Die Wahl zwischen Target Costing und Vollkostenrechnung hängt von deiner spezifischen Unternehmenssituation ab. Während Target Costing in wettbewerbsintensiven, kundenorientierten Märkten seine Stärken ausspielt, punktet die Vollkostenrechnung mit Einfachheit und Vollständigkeit bei etablierten Produkten. Moderne Unternehmen setzen oft auf hybride Ansätze, die beide Verfahren situativ kombinieren. Als angehende Führungskraft solltest du beide Methoden beherrschen und je nach Kontext die optimale Lösung wählen können.
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